Pressestimmen























5.12.2010 Konzert im bosco, Gauting

Nach(t)kritik von Sabine Zaplin, 5.12.2010
NACHTKRITIK YOUKALI

Berauscht vom Tango mit Youkali verlasse ich das Bosco und ignoriere den leise rieselnden Schnee, berauscht vom Tango fahre ich durch die nasskalte Nacht und sitze nun, die tieftraurigtaumelnden Klänge noch im Ohr, im nachtstillen Zimmer vor dem Computer und fasse noch rasch zusammen, was ich da eben gehört habe.

Tango, soviel habe ich erfahren, ist ein Lebensgefühl. Bestimmt von einer gewissen Grund-Schwermut, spielen die Themen Liebe und Tod eine ebenso große Rolle wie die Themen Kindheit und Wurzeln, Abschied, Einsamkeit und Lebensfreude. Jeder Tango erzählt in wenigen Worten die Geschichte eines Lebens oder doch zumindest die einer Liebe, und beide enden in der Regel eher tragisch. Beheimatet in Argentinien, ist der Tango doch auch hier im oberbayerischen Würmtal gern und gut zuhause, denn die fünf Musiker von Youkali sind zum größten Teil Würmtaler und spielen doch den Tango so, als seien sie mit ihm groß geworden. Gisela Auspurg am Cello, Nikolaus Stein an der Gitarre, Karin Waiblinger am Bass, Walter Erpf am Akkordeon und Ulrike von Sybel-Erpf an der Geige habe ihre südamerikanischen Wurzeln eher in geistig-musikalischer Hinsicht und sind dennoch ein wahrhaftes Tango-Quintett. Sänger Jaime Liemann ist Kolumbianer und wird zum inhaltlichen Übersetzer im doppelten Sinne: vor jedem Titel erzählt er die Geschichte auf Deutsch, und mit seiner - trotz Erkältung starken - ausdrucksvollen Stimme schlägt er die Brücke zwischen den Kontinenten.

Wie international Tango ist, beweist der an diesem Abend von Youkali präsentierte erste türkische Tango, eine Hommage an Izmir, das zum Buenos Aires des Orients wird. Natürlich ist immer wieder Astor Piazzolla zu hören, neben dem berühmten und von Youkali wunderbar interpretierten "Libertango" ist die traurige Ballade "Adios Nonino" im ersten Teil - Piazzollas Abschiedsgesang auf den verstorbenen Vater - ein Highlight, das mit der als Zugabe präsentierten Ballade über einen, über alle Verrückten und Traumtänzer noch einmal überboten wurde. Aber auch zahlreiche andere Tangos machten immerzu nur noch Lust auf mehr, wie ein Abend am Meer oder ein Fest mit Freunden.

Ich habe Youkali schon öfter gehört, beim Kulturfestival in Gräfelfing oder beim Tanzabend mit tangotanzenden Paaren. Doch so konzentriert konzertant wie heute abend im Bosco habe ich sie, ehrlich gesagt, noch nie erlebt. Natürlich darf und muss Tango getanzt werden, im Konzertsaal jedoch habe ich als Zuhörer den intensiveren Genuss. Nun warte ich - und da bin ich wirklich nicht allein - sehnsüchtig auf die erste CD von Youkali.

Berauscht vom Tango lasse ich mich in den nächsten Tag hineintragen und überlege mir, wie wohl eine Tangoballade von Schnee und Weihnachtseinkäufen klingen mag. Tieftraurig vermutlich und zugleich überschäumend vor Lebenslust. Denn auch zwischen Flocken lässt es sich tanzen, träumen, fliegen …

Nachzulesen in: http://www.bosco-gauting.de/